Stadt der Zukunft – wie sich Gewohnheiten ändern müssen (Teil 1)

Fünf Buchstaben, ein Wort, nahezu unendliche Interpretationen weltweit: die Stadt. Von der idyllischen Kleinstadt nahe dem Waldrand über unsere Lieblingsstadt Leipzig bis hin zu niemals schlafenden Megacities – das Prinzip Stadt ist die logische Konsequenz der menschlichen Entwicklung. Mehr als 50 Prozent unserer Weltbevölkerung fühlt sich im innerstädtischen Bereich heimisch. Tendenz steigend.  

Die zunehmende Überbevölkerung, der damit verbundene Platzmangel, eine nie enden wollende Produktion an Gütern, Ressourcenknappheit sowie steigende Abgasentwicklungen sind nur die Spitze des Eisbergs an Gründen für das sichtbare Kollabieren unseres Planeten.

Der Artikel „Die Stadt der Zukunft“ aus der Welt am Sonntag beleuchtet hochinteressante, klimafreundliche Ideen und Theorien, wie wir unser zukünftiges Miteinander in und außerhalb der Stadt gestalten könnten bzw. müssten, um langfristig mit unserem Planeten im Einklang zu leben.

 

Die Stadt in der Stadt

Wir leben in einer Welt mit unfassbaren und schier unendlich vielen Möglichkeiten. Das Angebot an Konsumgütern nimmt mit jedem Tag zu. Die Lebensqualität des Menschen ist in den letzten Jahrzehnten rasant gestiegen. Dies geschieht leider fast immer zum Nachteil unseres Planeten. Wie können wir also die Welt verbessern bzw. den Klimawandel verlangsamen ohne dabei unsere Lebensqualität zu mindern?

Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der „Tegel Projekt GmbH“, möchte mit seinem Projekt in die richtige Richtung gehen. Er und sein Team stehen vor der Aufgabe, das Areal des ehemaligen Flughafens Berlin-Tegel in einen neuen Stadtteil mit Wohnraum und Arbeitsplätzen für 20.000 Menschen zu verwandeln. Die Stadt in der Stadt soll zudem als neudenkender und zeitgemäßer Standort für Wissenschaft, Forschung und junge Unternehmen dienen. Hier ist Innovation gefragt. Dabei gilt der Anspruch, so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. So sollen die Häuser nicht wie üblich aus Stein und Beton, sondern hauptsächlich aus Holz umliegender Wälder gebaut werden. Dadurch entsteht nur ein Bruchteil des Kohlendioxids, welcher bei der üblichen Bauweise mit Beton und Steinen entsteht. Mit 20 Stockwerken verteilt in 60 Metern Höhe ist dies kein leichtes Unterfangen. Laut Bouteiller ist es ein Versuch, „die deutsche Antwort auf das Silicon Valley“ zu schaffen.

Der geplante Wohnraum sei dabei allerdings die eigentliche Revolution. In den kommenden 20 Jahren sollen die Menschen, die hier leben und arbeiten, so wenig wie möglich klimaschädliche Abgase produzieren. Auf fossile Energien will man verzichten. Auf Dächern und an den Fassaden sollen Pflanzen wachsen. Andere Stadt, andere Dimension, ähnlicher Gedanke – auch in Leipzig wird es künftig Neubau mit Dachbegrünung als Wohlfühlort geben.

Zurück nach Berlin. Die Abgasbildung soll zusätzlich reduziert werden, in dem man komplett auf Autos verzichtet. Weit ausgebaute und digital vernetzte Bus- und Bahnnetze, sowie selbstfahrende, kleine Kapseln sollen den Transport abdecken.

In der Stadt der Zukunft wird die benötigte Energie direkt in der Nachbarschaft erzeugt. Blockheizkraftwerke, Solaranlagen und die Wärmegewinnung aus dem Erdinneren sowie aus Abwässern stellen das grüne Fundament zur Energiegewinnung.

Saubere Luft in einer Stadt klingt zunächst wie ein Oxymoron. Ein weitläufiger Landschaftspark, klimaangepasste Bepflanzung, ein See sowie Grasflächen werden Regenwasser speichern. Dadurch kühlt sich der Stadtteil selbst und reinigt wiederum die Luft autark. Natur und Technik in gesundem Einklang – wir sind gespannt, wann die ersten E-Bagger anrollen und das Projekt physisch beginnt.

 

Neue Wege führen zum Ziel 

Pflanzen sind weit mehr als nur optische Verschönerungen der Stadt. Sie sind echte Arbeitstiere und essentiell für ein gesundes Leben. Wer in Biologie aufgepasst hat, weiß warum. Die Automobilisierung, deren Lobby und die daraus resultierenden Blechlawinen, welche sich täglich über die Straßen der Stadt schieben, sind ein marginales Problem für saubere Luft. In den letzten Dekaden ist die Luftverschmutzung zu stark, als dass sie allein durch Pflanzen aufgefangen werden könnte.

Somit gilt es umzudenken, zu verändern und aus unseren Gewohnheiten auszubrechen. Neue Wege müssen gegangen bzw. gefahren werden. Vorreiter im Umdenken beim Thema Fortbewegungsmittel sind unsere Nachbarländer Niederlande und Dänemark mit visionären Städten wie Amsterdam und Kopenhagen.

In der Welthauptstadt des Radverkehrs, besser bekannt als Kopenhagen, fahren mittlerweile mehr als die Hälfte der Bewohner mit dem Rad. Grund hierfür sind infrastrukturelle Anpassungen. Wege, Brücken und sichere Fahrbahnen nur für Fahrradfahrer. Ähnlich ist es in Amsterdam. Durch das Setzen richtiger Impulse wurde der Raum zwischen den Immobilien neu definiert. Trotz anfänglichem Widerstand sind die Resultate städteübergreifend gleich. Die Straßen sind freier, die Luft sauberer, Geschäfte machen mehr Umsatz, das Umfeld ist belebter.

Zunehmend mehr europäische Städte folgen diesem Prinzip und beschließen Auto-freie Zonen. In Paris wurde dieser Wunsch durch die Corona-Zeit beschleunigt. In der Stadt der Liebe soll in den kommenden Jahren jede Straße und jede Brücke einen Bereich für Fahrräder zugeteilt bekommen. 

Das Umdenken in der Stadt scheint Anklang zu finden. Der Ausbau öffentlicher Bus- und Bahnstrecken, Leihräder, Elektroroller, Sammeltaxidienste und weitere Innovationen werden die Art der Fortbewegung in der Stadt vermehrt prägen. Das Auto wird nicht verschwinden, aber Ziel ist es, dass man es lieber temporär mietet anstatt für viel Geld sein Eigen nennt. „Sharing is caring“ mal anders.

 

Im 2. Teil folgen weitere spannende Ideen und Umsetzungen wie wir unseren urbanen Raum neu interpretieren, um unsere Lebensqualität nachhaltig zu sichern, wenn nicht gar zu verbessern.

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